SPECIAL Tutzinger Journalistenakademie: „Roboterjournalismus ist kein wirkliches Bedrohungsszenario“

Von Nina Rittler

Zwei Tage lang geht es in Tutzinger Journalistenakademie mit dem Motto „Wie Technik den Journalismus verändert“ um neue Medieninnovationen und Trends wie Chatbots, künstliche Intelligenz und Virtual Reality. Ein Redaktionsteam mit Studenten der TH Nürnberg und der FAU Erlangen berichtet auf Social Media und der MedienCampus-Webseite über die Veranstaltung.

Johannes Sommer von Retresco brachte in seiner Präsentation einige lustige GIFs mit, unter anderem „The Moment you realize that the robot will take your job“. Er macht gleich zu Beginn klar: So akut ist die Gefahr für Journalisten nicht. Warum? Sommer nennt drei Punkte:

1. Die journalistische Beobachtungsgabe ist unersetzbar.

2. Ein Chatbot braucht strukturierte Daten und das liegt nur in wenigen Fällen vor

3. Man muss sich fragen: Ist es überhaupt sinnvoll, den Text automatisch zu generieren? Klar ist aber: Die Geschäftsmodelle zu Roboterjournalismus entwickeln sich rasant!

Welchen Mehrwert bringt nun aber ein automatisch generierter Text? Ein Punkt sei der Service. Man könne hier vor allem besonders individuelle und personalisierte Texte auswerfen lassen. Durch die Informationen in Echtzeit und on demand erziele man zudem mehr Reichweite. Außerdem würden durch die automatisierte Verwertung von Daten neue Geschäftsmodelle entstehen. Auch ein nicht unwesentlicher Punkt ist laut Sommer die höhere Sichtbarkeit in Suchmaschinen durch SEO-Texte.

Als Anwendungsbeispiele stellt Johannes Sommer die Themen Fußball, Wetter und Börse vor. Hier macht er deutlich: Beim Fußball sind automatisierte Spielberichte im Markt angekommen. Der Wetterbericht on demand sei nach Sommer ein komplett neues Geschäftsfeld und laufe sehr erfolgreich. Automatisch generierte Börsenberichte würden eine große Nutzerbindung und vor allem auch Google Traffic bringen.

„Unser Günter Grünwald Chatbot lief sehr erfolgreich – die Nutzer hatten Spaß“

Benedikt Angermeier aus der Abteilung Strategie und Innovationsmanagement vom BR stellt Teilnehmern drei Chatsbots vor. Das erste Chatbot-Projekt des BR war eine Art Newsletter, ein Klickbot mit einer kleinen Geschichte. Thema war der bayerische Kabarettist Günter Grünwald. Das Prinzip: Im Chat konnten sich die Nutzer durch unterschiedliche Narrative klicken, am Schluss wartete dann ein Videoausschnitt aus der Sendung auf den User, der dann direkt mit Freunden geteilt werden konnte.

Der zweite Bot des BR war zum Thema „Die 100 besten Songs aus Bayern“. Dahinter steckt ein Quiz, dass im Facebook-Messenger stattfindet. Solche Chatbots müssen nicht Dauerbegleiter von Facebook-Seiten sein, sondern können auch nur für eine bestimmte Zeit sinnvoll sein, so Angermeier.

Der dritte Chatbot nennt sich „Homo Digitalis“ und fragt die User: Was macht das Netz mit dir und deinem Leben? Bei diesem Selbsttest kann der User beispielsweise spielerisch herausfinden, welche Konzentrationsart er besitzt. Am 13. Oktober soll der Bot online gehen.

Der Digitalexperte fasste zusammen, was man für einen Masterplan benötigt um einen Chatbot zu coden: „Eine Idee, eine Matrix und vor allem Spaß am Schreiben.“

„Bot or not? Das ist eigentlich meistens nicht mehr zu unterscheiden“

Saim Alkan, CEO AX Semantics, stellt gleich zu Beginn seines Impulsvortrages fest: „Bots sind da! Der Vorteil von Bots ist, dass man damit Inhalte in vielen Sprachen übersetzen kann.“

„Das System ist wie ein Volontär“, sagt Alkan. „Es lernt.“ Mittels Machine Learning können nun aus gut funktionierenden Texten weitere und neue Texte hergestellt werden. Das System verwendet dabei genau das, was bei den anderen Texten bei den Usern gut ankam. Es filtert also, was die Anwender mit dem Text machen. Der Redakteur kann nun der Maschine aber auch neue kreativ erschaffene Formen geben und somit andere Textformen ausprobieren.

Wichtig sei seinen Kunden meist vor allem die „volle Kontrolle“. Häufig hört der den Satz: „Ich lasse doch meine Zeitung nicht von einem Algorithmus kontrollieren.“ Aber, das macht Saim Alkan deutlich, Stil und Inhalt kommen bei AX Semantics nicht aus der Maschine, der Redakteur füttert es.

Zwei große Vorteile sieht Alkan im Roboterjournalismus: Personalisierung und Internationalisierung sowie die Ansprache von kleinen Zielgruppen.