„Gendern – Notwendigkeit oder Nervensäg:in?“

Bereits am Titel dieser 5 vor 12 Gesprächsrunde am Donnerstag, 28.4.2022 kann man erkennen, dass es noch Einiges zu diskutieren und geradezurücken gilt, wenn vom Gendern die Rede ist.

Zu Gast war Frau Christine Olderdissen, Juristin und Journalistin sowie Buchautorin, sehr engagiert für das Thema Gendern (https://www.genderleicht.de/).

Sie hat Spaß daran, Texte gendergerecht zu überarbeiten.

In ihrem im Dudenverlag erschienenen Buch – Genderleicht, wie Sprache für alle elegant klingt – beschreibt Christine Olderdissen Gendern als eine Methode, sich präzise und wertschätzend auszudrücken, gegenüber jeder erdenklichen geschlechtlichen Identität: Frauen, Männer, trans-, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen.

Moderiert wurde die Gesprächsrunde des MedienCampus Bayern (MCB) von der MCB Vorstandsvorsitzenden Prof. Renate Hermann (Studiengangsleitung Multimediale Information und Kommunikation (Hochschule Ansbach) und  Wissenschaftliche Leitung des PixelCampus )

Nachdem lange Zeit die maskuline Ausdrucksform als normal galt, bringt man heute mit dem Gender-Sternchen oder dem -Doppelpunkt die Vielfältigkeit der Menschen zum Ausdruck. Dahinter steckt der Wunsch, alle anzusprechen und einzuschließen. Doch laut Umfragen sind etwa 60 bis 80 % der Bevölkerung gegen das Gendern. Man ist genervt vom Sternchen. Gerne und häufig werden Witze über das Gendern gemacht und absurde Beispiele gesucht und benannt.

 

Möglichkeiten zu gendern

Damit das Ganze weiterhin leicht und flüssig lesbar bleibt und gut über die Lippen kommt, gibt es verschiedene Methoden des Genderns, die – so hat der Austausch unter den Teilnehmenden ergeben – in der Praxis auch tatsächlich angewandt werden. Welche Methode gerade die passendere ist, hängt u.a. vom Medium ab, mit dem man arbeitet, und der Frage, wo und für wen der Text erscheint.

So kann man beim gesprochenen Wort sowohl die Beidnennung verwenden als auch mit dem Anhängen von Innen arbeiten.

Es spricht auch nichts dagegen, das Maskulinum gezielt einzusetzen, denn unter Nachbarn, Christen, Steuerzahlern oder Arbeitgebern und Arbeitnehmern verstehen wir alle ganz von selbst die bunte Vielfalt der Menschen, ohne dass dies extra zum Ausdruck gebracht werden muss, so einige Beispiele von Christine Olderdissen.

Eine gute Methode ist auch das Klammern. Es bedeutet, dass Begriffe zunächst erklärt werden und danach eine Beidnennung folgen kann. Ein Beispiel hierfür:  Der Begriff Kommunalpolitiker kann verwendet werden z.B. für  Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.

Die Sprache verändert sich durch das Gendern, doch dabei darf es nicht bleiben. Das Bild in unseren Köpfen muss sich verändern. Um das Ziel zu erreichen, alle Menschen einzuschließen, ist ein Umdenken erforderlich.

 

Wie machen es andere Länder und wie können wir die Regeln für Nichtmuttersprachler anpassen?

Fragen, die es zu beantworten gilt.

Das Bewusstsein für eine gendergerechte Sprache ist auch in anderen Ländern vorhanden. Bereits 1999 wurde diese von der UN gefordert. Und Menschen, die die deutsche Sprache erlernen, kann man die Bedeutung des Sternchen gut erklären.

 

Passt Gendern zu einer barrierefreien Kommunikation?

Für eine barrierefreie Kommunikation ist es wichtig, sich auf eine Schreibweise zu einigen. Der Doppelpunkt ist zwar die freundlichere Art, doch lässt er sich bei einer Sehbehinderung nicht gut erkennen. Das Sternchen ist daher die bessere Wahl, doch sollte man dieses so wenig wie möglich verwenden.

Zur gendergerechten digital barrierefreien Sprache gibt es eine repräsentative Studie mit Empfehlungen:

https://www.bfit-bund.de/DE/Publikation/empfehlung-gendergerechte-digital-barrierefreie-sprache-studie-koehler-wahl.html

Bei der leichten Sprache müssen noch weitere Erfahrungen gesammelt werden. Es empfiehlt sich, mit der Beidnennung zu arbeiten und zunächst auch das Maskulinum beizubehalten

Für Kinder spielt das Gendern eine wichtige Rolle, vor allem für das Empowerment der Mädchen. Wir dürfen es jedoch nicht bei der Sprache belassen, ein Umdenken muss stattfinden, andere Bilder müssen entstehen, bei denen Frauen selbstbewusst und auch als Expertinnen auftreten. Hier gibt es Fortschritte: In jüngster Zeit sehen wir in den Medien nun beispielsweise auch Virologinnen oder Kriegsexpertinnen.

 

Gendern und Googeln

Ein weiterer Aspekt wird von den Teilnehmenden genannt: das Googeln. Hier spielt die maskuline Form noch immer eine dominante Rolle. Das geht so weit, dass z.B. Stellenanzeigen männlich formuliert werden müssen, damit sie entsprechend erkannt und gefunden werden.

 

„Einfach machen!“

Nach diesem sehr interessanten Austausch aus unterschiedlichen Blickwinkeln kann das Fazit gezogen werden: Gendern ist wichtig, es nimmt zu, Begriffe wie Studierende oder Mitarbeitende etablieren sich allmählich und immer mehr wagen eine gendergerechte Sprache.

Christine Olderdissen unterstreicht am Ende der Veranstaltung nochmals, dass das Gendern nicht zu verbissen gesehen werden soll, und sagt: „einfach machen!“