Lernkompetenzaufbau durch Videos – Rückblick CampusTag 2018

Um die Faszination Video drehte sich das Programm beim diesjährigen Jahrestreffen der bayerischen MedienprofessorInnen. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, die in diesem Jahr den Medien-Campus-Tag in Kooperation mit dem MedienCampus Bayern e.V. ausrichtete, wurde über die Frage gesprochen, wie Bildungs-Videos in die Lehre eingebunden werden und wie Videos die fachlichen, methodischen, sozialen und persönlichen Kompetenzen von Studierenden verbessern können.

Austauschen und neuen Input bekommen: Diese zwei Punkte stehen beim CampusTag im Mittelpunkt. (Foto: Marita Reich)

MedienprofessorInnen aus bayerischen Hochschulen und Universitäten trafen sich am Freitag, 9. März, an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) zusammen, um sich im Rahmen des Medien-Campus-Tag zu vernetzen und neuen Input zum Thema Videoproduktion und Videocontent zu bekommen. Über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Videos in der Lehre wurde bereits am Vorabend in der Alten Mainmühle beim Come-Together diskutiert.

Bewegtbild ist das mächtigste Tool, das wir haben, um Menschen zu erreichen, betonte Prof. Dr. Karsten Kilian, Leiter des Masterstudiengangs Marken- und Medienmanagement an der FHWS, bei seiner Begrüßung.

Wissen ist ein gefragter Markt

Prof. Andreas Bönte, stellvertretender Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, Programmbereichsleiter BR Fernsehen, ARD-alpha, 3sat, referierte in seiner Keynote darüber, ob Bildungs-TV ein Zukunftsmarkt ist. „Wissen ist nach wie vor ein Markt, der gefragt ist. Man muss das Wissen spannender machen“, so Bönte.

Prof. Andreas Bönte, stellvertretender Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks und Honorarprofessor an der FHWS, sprach über die spannende Frage, ob Bildungs-TV ein Zukunftsmarkt ist. (Foto: Marita Reich)

Und er gab gleich die Antwort auf das Fragezeichen in seinem Vortragstitel: „Ja, Bildungs-TV ist ein Zukunftsmarkt.“ Bönte berichtete vom kürzlich stattgefundenen Relaunch des Bildungssenders ARD-alpha. Der stellvertretende Fernsehdirektor blickte in die Fernsehgeschichte zurück und stellte fest: „In den 60er Jahren hat man noch sehr viel in Sachen Politik und Bildung gemacht. Das ist völlig verloren gegangen im Laufe der Jahrzehnte. Das ist für mich eines der größten Dramen, die man sich überhaupt vorstellen kann, dass man im Bereich der Medien echte politische Bildung nicht mehr geleistet hat.“ Der Grund dafür sei, dass die Politik und die Medien glauben würden, jeder versteht das, was wir tun. „Das ist schlicht und einfach ein Trugschluss“, findet Bönte.

Starke Fragmentierung des Medienangebotes

Worin besteht der Unterschied der Mediennutzung zu den 60er Jahren und heute? Bönte sieht die starke Fragmentierung des Medienangebotes als Hauptursache: „Damals hat die Familie zusammen Fernsehen geschaut. Es gab ein Gerät. Man hat in allen Lebensbereichen über die Quizshow am Abend gesprochen. Das hat sich fundamental verändert. Jeder hat heutzutage seinen eigenen Ausspielweg.“ Eine Ausnahme sei heutzutage der Bereich Sport. Die große Herausforderung als öffentlich-rechtlicher Sender sei es für alle Zuschauer ein Angebot zu schaffen.

In einer repräsentativen Umfrage hat der BR vor ein paar Jahren herausgefunden, dass kaum politisches Wissen in der Gesellschaft kaum vorhanden ist: 73 Prozent der Befragten sagten, es müssen mehr politische Zusammenhänge und Hintergründe dargestellt werden. Die Ergebnisse waren für den BR ein klares Signal und haben gezeigt: „Hier besteht Nachholbedarf.“ Ein weiteres Ergebnis war, dass im Fernsehen mehr erklärt werden muss, um Politik zu verstehen, da politische Diskussion bei der Mehrzahl der Befragten als sehr verwirrend eingeordnet wurde. „Wenn man etwas nicht versteht, schaut man sich das Programm auch nicht weiter an“, schlussfolgert Bönte.

Elitäre Blasen und Austausch auf Augenhöhe

Das Problem heutzutage sei vor allem, dass die Mehrheit der Bürger die Berichterstattung über Politik nicht verstehen würde. Durch die neuen Ausspielkanäle, sei es jedem selbst überlassen, sich zu informieren. Daher ist es laut Bönte auch notwendig, dass heute viel mehr erklärt werden müsse, allein schon aufgrund der Verschwörungstheorien, die immer mehr zunehmen.

In seinem selbstkritischen Vortrag geht Bönte auch auf die aktuelle Gebühren-Diskussion der Öffentlich-Rechtlichen ein. „Wir sind wichtig für die Gesellschaft, um Informationen für die Demokratie  in die Bevölkerung hineinzutragen. Viele Jahre haben wir das nicht gemacht und es als selbstverständlich empfunden, dass die Leute dieses Geld zahlen. Die Rückbesinnung, dass wir uns Gedanken darüber machen, wofür wir da sind, halte ich für einen wichtigen Prozess“, sagt Bönte. Dieser Prozess würde auch dazu führen, dass man Programme anpassen und ändern muss. Als unheimlich wichtig stuft Bönte die Partizipation der Zuschauer am Programm ein, denn nur so wäre es möglich herauszufinden, was die Zuschauerschaft überhaupt vom Programm erwarte.

MircoLearning – Lernen in Wissenshäppchen

Um bewusst auch jüngere Zuschauer anzusprechen, setzt ARD-alpha auf kurze Formate. Beispiele dafür sind Formate wie Schwanke meets Sciene (SMS), wo verschiedene Bereiche der Wissenschaft in kürzester Form vermittelt werden oder das Format „100 Sekunden Physik“. Mit all diesen Formaten verfolgte der BR das Ziel, Zuschauer durch kurze Wissenshäppchen zu animieren, um sie an längere Geschichten heranzuführen.

Lernkompetenzaufbau durch Videoproduktion

Prof. Dr. Thilo Büsching, Leiter des Studiengangs Medienmanagement an der FHWS, schloss an den Vortrag von Prof. Andreas Bönte an und appellierte gleich zu Beginn an seine KollegInnen: „Lassen Sie mehr Bildungsvideos drehen.“ Büsching stellte in seinem nachfolgenden Vortrag ein didaktisches Gesamtsystem vor, das den Kompetenzaufbau der Studierenden durch Video-Produktionen unterstützt und fördert. Im Mittelpunkt des Modells stehen Team- und Projektmanagement. Man lerne viel mehr, wenn man selber produziere, so Büsching.

Auf dem hochschuleigenen Youtube-Channel MarkenMedienManagement gibt’s die Videos der Studierenden der Fächer Medienmanagement (B.A.), Marken- und Medienmanagement (M.A.) und Betriebswirtschaft (B.A.) zu sehen. Ein bekanntes Beispiel aus dem Filmtool, das auf dem Campus-Tag präsentiert wurde, ist ein Recruiting-Film für die Sparkasse:

Boris Kantzow, Geschäftsführer der Weltenmacher GmbH in Düsseldorf, gab im Anschluss noch einen Einblick in Virtual und Augmented Reality Anwendungen. Während der kurzen Pausen hatten die Teilnehmer auch die Möglichkeit verschiedene VR-Anwendungen vor Ort auszuprobieren.

Nach der Mittagspause in der Kantine der Hochschule, schauten die ProfessorInnen hinter die Kulissen beim Flyeralarm Future Lab und erfuhren von Geschäftsführerin Simone Nierhaus und Produktmanagerin Katharina Krimmer, was hinter Flyeralarm Moving Pictures steckt und wieso Erklär-Videos in Zukunft immer wichtiger werden. Moving Pictures gehört zu Flyeralarm, einem der größten E-Commerce-Unternehmen Deutschlands und im Mittelpunkt steht die Produktion von Erklär-Videos und Produktvideos für verschiedene Kunden. „Druck ist unsere DNA, aber wir können mehr“, betonte Geschäftsführerin Simone Nierhaus. Produktmanagerin Katharina Krimmer präsentierte im Anschluss noch Beispiele für Erklär-Videos sowie Unterrichtsfilme der Zukunft.

Zu Besuch im Flyeralarm Future Lab Loft: Produktmanagerin Katharina Krimmer berichtete über die ersten Learnings. (Foto: FLYERALARM Media)

Über den CampusTag

Der CampusTag ist eine Veranstaltung des MedienCampus Bayern, die jährlich an einer anderen bayerischen Universität oder Hochschule stattfindet. Ziel ist es, die bayerischen MedienprofessorInnen zu vernetzen und innovativen Input für die Lehre zu liefern.

Die bayerischen MedienprofessorInnen trafen sich in diesem Jahr in Würzburg. (Foto: Marita Reich)