Herausforderungen für die Aus- und Fortbildung im digitalen Zeitalter

Beim MedienCampus-Sommergespräch im Haus der bayerischen Wirtschaft in München wurde über die Veränderungen durch die Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung gesprochen. Im Rahmen der Veranstaltung feierte der MedienCampus Bayern zudem sein 20-jähriges Jubiläum. Experten aus den verschiedenen Medienbranchen blickten nicht nur auf die erfolgreiche Vergangenheit zurück, sondern schauten vor allem auf die Herausforderungen der Medienaus- und -fortbildung in der digitalen Welt.

Alleinstellungsmerkmal in deutschland

Vorstandsvorsitzender Dr. Markus B. Rick, ging in seinem Grußwort auf die Entstehung des MedienCampus ein. Erste Überlegungen für einen Verein unter dem damaligen Arbeitstitel „Medien-Akademie Bayern“ habe es bereits Anfang 1996 gegeben, so Rick.

Vorstandsvorsitzender Dr. Markus B. Rick begrüßt die Teilnehmer des Sommergesprächs. (Fotos: Marita Reich)

Geplant waren damals vier Gesellschafter: die Deutsche Journalistenschule, die Akademie der Bayerischen Presse, die Bayerische Akademie für Fernsehen und die Akademie für Neue Medien Kulmbach. Damals war noch von einer reinen Vereinigung von Journalistenausbildern die Rede. Sogar Werbung und PR stand man äußerst kritisch gegenüber. 1998 wurde dann der MedienCampus Bayern e.V. gegründet. Rick freute sich von fast allen Gründungsmitgliedern einen Vertreter beim Sommergespräch begrüßen zu können. Aktuell hat der MedienCampus Bayern 120 aktive Mitglieder aus dem Aus- und Fortbildungsbereich.

Um diesen Zusammenschluss, der bundesweit einmalig ist, werden wir von den anderen Bundesländern beneidet. In Bayern gibt es nicht nur die größte Vielfalt an Aus- und Fortbildungseinrichtungen im Medienbereich, sondern dank des MedienCampus Bayern auch eine exzellente Vernetzung untereinander, hob Vorstandsvorsitzender Dr. Markus Rick hervor.

bedeutung von fachkräften nimmt zu

Georg Eisenreich, Staatsminister für Medien, Digitales und Europa, möchte die Vernetzung weiter vorantreiben und den Medienstandort Bayern sichtbarer machen.

Highlight der Veranstaltung war der Besuch von Medienminister Georg Eisenreich, der in seinem Impuls und anschließenden Interview mit MedienCampus-Geschäftsstellenleiterin Nicole Schwertner betonte, wie wichtig gute Fachkräfte seien. Aus diesem Grund sei auch die Vernetzung der Aus- und Weiterbildungsinstitutionen durch eine Einrichtung wie den MedienCampus von großer Bedeutung.

Medienminister Georg Eisenreich sprach mit MedienCampus-Geschäftsstellenleiterin Nicole Schwertner über seine Ziele.

Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, gab in ihrem Vortrag einen Einblick, wie die DJS 2024 aussehen wird. Besonderen Schwerpunkt möchte Löwisch auf die Vielfalt legen: Nicht nur beim Journalismus selbst, sondern auch bei den Journalisten. Zudem sollen mehr digitale Projekte stattfinden und regionale Medienhäuser miteinbezogen werden.

Ein Programmpunkt der Veranstaltung bildete auch das Gespräch mit dem MedienCampus-Vorstand, das sich um die Volontärsausbildung drehte. „Das Zeitungs-Volo hat an Attraktivität gewonnen – das liegt an den diversifizierten neuen Medienhäusern und innovativen Aufgaben in der Ausbildung“, so Dr. Markus B. Rick, Hauptgeschäftsführer beim Verband Bayerischer Zeitungsverleger.

Prof. Renate Hermann von der Hochschule Ansbach gab einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen in der Hochschullandschaft und gab freudig die Neuigkeit bekannt: „Wir bekommen in Ansbach bald auch ein Media-Lab. Insgesamt bauen wir die Medienstudiengänge kontinuierlich weiter aus.“ Isabella Schmid, Leiterin der Medienkompetenzprojekte beim Bayerischen Rundfunk, sagte, dass es beim BR-Volontariat seit langem nicht mehr nur um Radio und Fernsehen geht. Aktuell würden vier Volos ein Newsformat auf Instagram für die Landtagswahl entwickeln. Kerstin Prange, stellvertretende Bereichsleiterin Programm in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, berichtete, dass aus afk tv und M94.5 die Mediaschool Bayern entsteht und das neue Ausbildungsmodell in den Startlöchern stehe.

Mehr Informationen, aber nicht mehr Zeit – und der Kampf um die Aufmerksamkeit wird härter, betont Julia Bönisch, Chefredakteurin von SZ.de. Oft fehle dabei die Zeit zum Nachdenken.

Journalismus und Werbung – wie sich die beiden Bereiche verändern, erzählten Serviceplan-Geschäftsführer Ronald Focken und SZ.de-Chefredakteurin Julia Bönisch. „Wir müssen als Arbeitgeber flexibler werden“, meinte Focken. „Wir haben 150 offene Stellen.“ Durch die Digitalisierung haben sich völlig neue Berufsbilder entwickelt, wie SEO-Manager, Data Analyst und IOS Developer, für die Spezialisten ausgebildet werden müssten.

Prof. Dr. Klaus Meier ging in seinem Vortrag der Frage nach, wie Journalismus in einer komplexen Medienwelt relevant bleibt. Der Journalistik-Professor aus Eichstätt nannte drei Entwicklungen, um den heutigen Journalismus zu stärken und weiterzuentwickeln:

  • Transparenter Journalismus, der sich offen gibt
  • Erklärjournalismus, der Zusammenhänge aufzeigt und
  • konstruktiver Journalismus, mit Lösungen.

Sein Fazit: Die Herausforderungen sind zweifellos groß, dennoch bleibt Journalismus relevant, wenn die wesentlichen Aufgaben für die Gesellschaft und die Demokratie in den Mittelpunkt gestellt werden.

Der Eichstätter Journalistik-Professor Klaus Meier ging in seinem Vortrag darauf ein, wie Journalisten relevant bleiben können.

Ist Bildungs-TV ein Zukunftsmodell? Diese Frage stellte Prof. Andreas Bönte, stellvertretender Fernsehdirektor beim BR und beantwortete sie gleich mit einem klaren „Ja“.

Die Veränderung als Chance ergreifen, dafür plädierte Dr. Christian Franckenstein, CEO der Bavaria Film. Vor allem durch die vielen neuen Jobprofile würden neue Chancen bestehen, die genutzt werden sollten.

Zum Abschluss des MedienCampus-Sommergesprächs entwickelten die Teilnehmer im Workshop unter Anleitung von Aline-Florence Buttkereit, stellvertretenden Vorsitzenden des Ersten Deutschen Fachverbands für Virtual Reality, wie immersive Medien in der Ausbildung nachhaltig eingesetzt werden können. Die Teilnehmer entwickelten verschiedene Ideen und Anwendungen, wie beispielsweise die App ARGo.